Nokia-Siemens: Tod eines Inders
Freitag, 21 November 2008 10:57 von Nik Huber-Pöldl
Global tätige Firmen versuchen ihre weltweiten Mitarbeiter mit allen Mitteln auf westliche Kultur zu trimmen. Ein 22-jähriger indischer Techniker bezahlte es mit seinem Leben.
Nicht nur die Callcenter in Bengaluru, sondern auch die indischen Niederlassungen von Technologiefirmen sind aufs Äußerste bemüht, die einheimischen Mitarbeiter ihrer angestammten Kultur zu entwöhnen und ihnen die Werte westlicher Länder zu vermitteln. Für den Umgang mit Kunden am anderen Ende der Welt müssen sie mit amerikanischem Akzent sprechen, sich englischsprachige TV-Soaps reinziehen, die Namen von Football- und Baseball-Teams in den USA kennen und mit Slang umgehen können.
Eine ganz besondere Lektion in westlicher Kultur bekamen die Mitarbeiter von Siemens-Nokia in der firmeneigenen Bürokantine in einem Vorort von Neu-Delhi verpasst. Die Manager ließen sie zu einem Gebäck-Fresswettbewerb antreten, um sie mit amerikanischer Kultur und Wettbewerbsgeist vertraut zu machen. Mit hinter dem Rücken verschränkten Händen hatten sie sich über einen Tisch zu beugen und möglichst schnell möglichst viel Backwerk zu mampfen bis zum Geht-nicht-mehr.
Beim 22-jährigen Saurab Sabharwal ging es schließlich nicht mehr. Er würgte schwer und rannte in die Toilette. Niemand kümmerte sich weiter um ihm, keiner folgte ihm. Später fand ihn ein Kollege bewusstlos auf dem Boden der Toilette. Er starb auf dem Weg ins Krankenhaus, am zu schnell verschlungenen Backwerk erstickt, das seine Luftröhre verschloss.
Sein Vater wirft den Firmenvertretern tödliche Fahrlässigkeit vor: “Warum mussten sie einen solchen Wettbewerb organisieren?” Die Polizei wartet das Ergebnis der Obduktion ab, bevor weiter ermittelt wird. Die bei dem tödlichen Vorfall anwesenden Nokia-Siemens-Manager verweigerten jeden Kommentar.
(nik)

Kommentare
sone Scheiße.
Arme Sau.
Soviel zum Thema Globalisierung…
G. W. Bush zum Maß westlicher Kultur zu machen, ist wahrlich nicht sonderlich clever. Ein Präsi der beinahe an einer quer hängenden Bretzel verreckt wäre ist zumindest nicht mein kulturelles Vorbild. XD
Nokia halt. Denken nur so weit, wie sich ein Dollarschein schmeißen lässt. Dann endet der geistige Horizont auch schon.
wie unreif von allen beteiligten - furchtbar, aber trotzdem unreif.
Siemens…
unfälle passieren überall ob auf dem weg zur arbeit oder auf dem weg zum klo.
die firma dazu verantwortlich zu machen wäre aber falsch. anders wäre es wenn durch hektikmache eines vorgesetzten sich der vorfall ereignet hätte.
dumm ist es und westlich ist es auch nicht… ich hab zuminest noch nie an einem wettfressen mitgemacht…
Wir kennen das zugrundeliegende Problem nicht, weil wir in aller Regel nicht mit Supportcentern zu tun haben, die nach Indien ausgelagert worden.
Doch die Amis/Engländer kennen das, wenn der Callcentermitarbeiter in Indien neben technischer Unfähigkeit auch noch sprachlich kaum zu verstehen ist. Der spricht nämlich in aller Regel maximal ein indisches Englisch, was außerhalb Indiens erstens keiner versteht und zweitens übers Telefon nochmals grausamer klingt.
Westliche Arroganz allenthalben. Nicht daran ist neu. Erst bringen wir den Wilden die Religion, dann bringen wir ihnen die Zivilisation und heute bringen wir ihnen Kultur. Denn davon haben die ja noch nie was gehört. Wir nennen das dann universell gültige Werte - ob die Menschen in anderen Kulturen unsere Werte in ihre Kultur verpflanzen wollen, ist uns doch scheißegal. Scheiß-Rassisten, die Menschenrechte predigen, wenn sie sagen: Macht gefällgst, was wir euch Bimbos sagen!
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