
Heftkritik: SFT 12/04
Datum: Dienstag, 26. Oktober 2004 @ 13:56:14 MESZ Thema: Heftkritik
Ganz wie ein Männer-Magazin kommt sie daher, die Erstausgabe von "Spiele Filme Technik" aus dem Nürnberger Computec-Verlag. Ein BH-Model lächelt dem Betrachter lasziv entgegen - die Digitalkamera in seiner Hand bemerkt man kaum. Aber es sollte ja auch eine Art Technik-FHM werden;
die Zielgruppe dürfte sich durchaus angesprochen fühlen. Wichtigstes Verkaufsargument sind nicht wie beim Playboy die Artikel und Interviews, sondern die beiliegende DVD mit Film + Spiel. Mit "Jackie Brown" und "Desperados" (CDV) ist die Auswahl diesmal nicht schlecht. Die Lösung, mit der SFT die DVD im Heft "befestigt", wirkt etwas besser als die von AVF-Bild: Die Computec-Variante lässt sich einfacher in einen DVD-Einleger verwandeln als die von Springer, wo man ohne die Anleitung kaum auskommt.
Das Inhaltsverzeichnis wirkt etwas lieblos zusammengezimmert, der Leser bekommt allenfalls Brocken vorgeworfen ("Kino: Manchurian Kandidat", "Mini-PC Shuttle P8100G"). Überlange Produktbezeichnungen hat man einfach in die eine zur Verfügung stehende Zeile gequetscht ("DVD-/HD-Rekorder Philips HDRW720"). Und wie können ehemalige Spielemagazin-Redakteure Sid Meier nur mit "y" schreiben? Inhaltlich zeigt sich, dass die Verbindung so vieler Welten nicht ganz einfach ist. Der knappe Aktuellteil enthält zwar Meldungen aus allen Bereichen, doch der Sprung von Gisele Bündchens Filmplänen zum Activy Media Center findet selbst im Playboy nicht beim Umblättern statt. Die Produkt-Texte sind teilweise viel zu werblich. Mit Siemens' SF65, einem 1,3-Megapixel-Fotohandy könne man "erstklassige Fotos schießen"? Wer's glaubt... Zum Techniktrend hat man diesmal die Photokina erkoren. Die ist zwar schon ein paar Wochen her, aber für eine perfekte Schlussredaktion hat die Zeit trotzdem nicht gereicht. So schreiten wir denn zum Kauf "stylischer" Conatx(sic)-Kameras. Zudem machen die Texte zwar viele Worte, sagen aber wenig. Und ob Sonys neue, geschrumpfte PS2-Inkarnation die Erhebung zum zweiseitigen Technik-Feature verdient hat? Ebenfalls Technik-"Feature": ein offensichtlich kalt geschriebenes Portrait von Apple-iPod-Mensch Tony Fadell. Beim LCD-TV-Test hat die Redaktion wohl ihr größtes Engagement in möglichst originelle Fotos der Geräte gesteckt. An sich keine schlechte Idee - aber das Verhältnis 3/4-Seite Bild zu 1/4 Text (pro Testkandidat) ist auch für Fastfood-News etwas ungünstig. Ganz hübsch sind die Einzeltests arrangiert: so wie bei SFT kehrt nicht die von PC-Welt & Co. bekannte Spalten-Ödnis ein. Irgendwie sind aber letztlich alle getesteten Produkte auf ihre Art "cool", man vermisst auch mal richtige Ausreißer nach unten - die fehlen wohl aus Platzgründen. Den wichtigsten Teil des Magazins, da kann es seine Herkunft nicht verleugnen, nehmen doch wieder die Spiele ein. Hier kommen auch die Neuerscheinungen "kompletter" vor als im Rest des Heftes. Der Filmteil hingegen liest sich ähnlich dem, was es früher immer kostenlos bei McDonalds gab. Immerhin bekommt der Leser auch hier einen Überblick, was ihn im nächsten Monat erwartet.
Zum Schluss noch die Praxis-Beilage: wenn die mal aus dem Heft fällt, wird sie ein Analphabet kaum noch SFT zuordnen können. Weil sie so anders aussieht: billiges Papier, neun Zehntel Text. Auch eine Art Erholung.
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