Heftkritik: Tomorrow Mai 05
Datum: Freitag, 29. April 2005 @ 21:04:26 MESZ
Thema: Heftkritik


Eine neue Tomorrow - wirbt zumindest Tomorrow online - soll seit dieser Woche am Kiosk liegen. Neu ist vor allem der Testteil, der sich kräftig vom CHIP-Testlabor unterstützen ließ. An den Tests gibt es so weit auch wenig zu mäkeln - bis auf die Tatsache, dass sie allein kein Grund sind, zu dem drei Euro teuren Magazin zu greifen. Schwierig wird es bei den Tests, wo Tomorrow sich scheinbar willkürlich drei Sieger herausgepickt hat

- beim Notebook-Test etwa. Es muss einfach nachvollziehbar sein, warum zwei Samsungs und ein Alienware in ihren entsprechenden Rubriken zurzeit die "Besten" sind. Das heißt, der Leser muss wissen, wer auf Platz 2 und 3 landete und mit welchem Ergebnis. Im Rest des Heftes fällt vor allem der extreme Niveauunterschied auf, was die sachliche Kompetenz der einzelnen Artikel betrifft. Im Aktuellteil etwa wird kommentarlos auf die magische "Batterylife Activator"-Folie hingewiesen (die von anderen mehrfach getestet wurde). Die FVD hat mit 11 GB NICHT das doppelte Fassungsvermögen der DVD. Der Aprilscherz einer japanischen Firma wird als Tatsache verkauft. Das als "Trend" beschriebene Q30-Notebook hat Samsung im November vorgestellt. Der Text zum Audi-A8-Soundsystem ist _extrem_ werblich und lässt jeden Abstand vermissen. Und dass im vergangenen Jahr über 40 Prozent (!) der verkauften DVD-Recorder von den Verbrauchern zurückgegeben worden sein sollen, ist zumindest eine Tomorrow-eigene Erkenntnis (und nebenbei ziemlich unglaubwürdig). Ähnliche Stellen finden sich auch in anderen Artikeln: DVB-S ist noch nicht wirklich "Standard", andererseits ist HDTV in sämtlichen Auflösungen standardisiert, die Frage, ob nun 1080i oder 720p "Standard wird", stellt sich nicht. Warum es bei einem DVB-T-Empfänger sinnvoll sein soll, 4000 (oder auch "nur" 500) Sender speichern zu können, erklärt die Redaktion nicht, lobt aber ausdrücklich, dass das "Zappen fast zur Lebenaufgabe" werde (es dauert sicher ewig, durch die vergleichsweise wenigen Sender der DVB-T-Bouquets zu zappen...). Dass neben einem Vergleich von Premiere vs. Kabel Deutschland ein Gewinnspiel (mit Kabel Deutschland) platziert wurde, sorgt nicht für erhöhte Glaubwürdigkeit. Dass der "Artikel" zum Thema Videochat ein _bezahlter_ ist, fällt erst auf den vierten Blick auf - der anonyme Kritiker hat sich zunächst nur gewundert, dass NUR Logitech-Kameras empfohlen wurden. Ah, das kleine Wörtchen "Advertorial" im Rubrikkopf... Bei den Spieletests fällt auf, dass kein Auswahlkriterium erkennbar ist. Ergänzung: KOTOR2 gibt es auch für PC und Xbox, und es hat eine Alterfreigabe ab 12, nicht ab 0 Jahren. Wie sich Terratecs "Noxon" "prima mit iTunes versteht", würde der anonyme Kritiker gern mal erklärt bekommen - beim Internetradio-Artikel hat der Autor anscheinend nur die Specsheets in der Hand gehabt. Rechnen kann er auch nicht: wenn pro Minute Webradio 1,5 MB Daten übertragen würden, wäre die 1-GB-Flatrate nicht erst nach einem Monat, sondern schon nach einem halben Tag aufgebraucht. Glaubt der Leser an dieser Stelle Tomorrow, wird der Spaß richtig teuer. Ach ja: auch Tippfehler wie das "16:3-Format", die "Radeon-200-Grafikkarte" oder der "Blichwinkel" sind nicht ungewöhnlich - vermutlich musste das Heft zum Schluss schnell fertigwerden.





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